Im Turm

Faron stand auf seinen Stab gestützt im Raum des Turms und starrte die Tür an. Was war nochmal geschehen? Er hatte von der gesamten Situation nur wenig mitbekommen. Zu stark waren die Kopfschmerzen geworden, die ihn schon seit Tagen plagten und ihm einfach keinen klaren Gedanken lassen wollten.

Langsam, ganz langsam wurde er sich bewusst, wo er war. Er war mitten in der Wüste, eingeschlossen in einem Turm, in dem es irgendetwas geben sollte, dass seinen und Getasus' Turmalin reinigen sollte. Wie, das wussten sie beide nicht. Aber dafür war Tiron anwesend, der Kenntnis über diese scheinbar mächtigen Kristalle besaß. Doch aus bisher unbekannten Gründen, sah er davon ab, nur ein klein wenig zu viel davon preizugeben. Faron war sich sicher, dass der alte Mann mehr wusste, als er zugab. Nicht nur die Reinigung der Turmaline betreffend.

Faron ging langsam zu der Wand, die ihm am nächsten war und setzte sich langsam auf den Boden, während er sich anlehnte. Irgendetwas musste er gegen diese Kopfschmerzen unternehmen. Sie schienen etwas schwächer geworden zu sein, als der Untote fiel. Doch kurz nachdem sie den Turm betreten hatten, waren sie kaum mehr auszuhalten. Faron konnte ein schmerzlinderndes Kraut nehmen. Doch war es ihm unter den gegebenen Umständen einfach nicht möglich gewesen, sich an das richtige zu erinnern. Oder an seine Dosierung. Es wäre fatal gewesen, würde er ein falsches oder zu viel vom Richtigen einnehmen. Also beschloss er, sich zu beruhigen und zu entspannen. Diese Strategie hatte ihm schon beim Betreten der Anlage geholfen.

Langsam schloss er die Augen und verlangsamte seinen Atem. Er wischte die Gedanken mitsamt den Schmerzen beiseite, die ihn so quälten. Am Anfang schien es einfach nicht möglich. Sie drängten sich immer wieder in sein Bewusstsein. Doch nach mehrmaligem Versuchen wurde sein Kopf leer und es breitete sich eine weite Schwärze vor seinem inneren Auge aus. Diesen Zustand hatte er angestrebt. Die Schmerzen waren verschwunden. Endlich war es ihm wieder möglich, klar zu denken. Er dachte über die Steintafel und die darauf geschriebenen, alten Worte nach. Es war ein Rätsel. Zweifelsohne. Und es wies scheinbar auf die Möglichkeit hin, wie die Kristalle zu reinigen waren. Er dachte nach und sah nach kurzer Zeit die Worte der Tafel vor sich, lies jedes einzelne Wort durch seine Gedanken kreisen. Doch dann spürte er etwas. Schon wieder drängte sich etwas in seinen Geist. Doch es schmerzte nicht. Es hatte etwas mit diesem Ort zu tun und Faron spürte es schon lange, bevor er ihn überhaupt betreten hatte. Nur hörte er vorher nicht zu, sodass die Gedanken zu Schmerz wurden. Irgendetwas wollte ihm wohl helfen. Doch was war es? War es überhaupt lebendig oder war es der Ort selbst? Diese Eventualität schloss er nicht aus. Er wusste, dass in seinem und Getasus' Kristall große Macht schlief. Also mussten die, die sie hergestellt hatten, noch mehr Macht besitzen. Doch hatten sie auch diesen Ort errichtet? Oder war es doch jemand ganz anderes gewesen? Steckte vielleicht mehr hinter allem, als sie wussten?

Faron konzentrierte sich wieder auf die seltsame Präsenz in seinem Kopf. Er sah die Tafel vor sich, wie sie in dem Raum stand. Doch etwas war seltsam. Wo waren er und die anderen? Der Raum, den Faron sah, war vollkommen leer. Nur die Tafel und der Sand um ihr herum waren hier.

Dann schien er sich ihr zu nähern. Er bewegte sich so lange darauf zu, bis er die erste Zeile des Rätsels klar erkennen konnte. Seltsamerweise verstand er die alte Schrift, die dort zu sehen war. Doch ehe er sie genauer lesen konnte, sank er tiefer und näherte sich dem Erdboden. Als er ihn erreichte, verschwand er in diesem und sah vorerst nur Schwärze vor sich. Nur in weiter Entfernung entdeckte er ein schwaches Licht. Er war sich sicher, dass es das war, weswegen sie hier waren und worauf die Tafel hinwies. Doch ehe er sich ihm nähern konnte, durchzuckte ihn ein entfernter Schmerz. Doch war er diesmal körperlicher Natur, wie er ihn lange schon nicht mehr spürte. Er war so in Konzentration versunken, dass er erst nicht feststellte, von wo der Schmerz kam. Langsam beendete er seine Meditation und öffnete seine Augen.

Mit dem schwachen Licht der Flammen überkam ihm auch der leichte Schmerz, der ihn zurück in die Realität holte. Er kam von einem seiner Finger. Skiro, sein kleiner Maulwurf, schien Hunger zu haben und tat das, was er immer tat, wenn er Aufmerksamkeit verlangte: Er nagte sanft an Farons Fingerspitze, in der Hoffnung, von ihm das zu kriegen, was er wollte. Dieser jedoch ignorierte zunächst diese Bitte des kleinen Tieres und sprach: „Im Boden..“ er wurde lauter, sodass es auch die anderen hören konnten. „.. das, was wir suchen befindet sich im Boden unter uns!“

Tiron, der die ganze Zeit eine Reaktion abgewartet hatte, lächelte für die Winzigkeit eines Augenblicks, ehe er wieder seine harten Gesichtszüge an nahm, die Faron von ihm gewohnt war.